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  • AutorenbildLena Fuhlroth

Artgerechte Haltung von Kaninchen oder auch 5 Fakten, die ihr über Kaninchenhatung wissen müsst

Kaninchen sind wohl eines der am häufigsten unüberlegt angeschafften Haustieren und somit vermutlich auch, die Tierart die sich am häufigsten falsch gehalten in unseren Haushalten findet.

Ich selbst halte seit mittlerweile mehr als 13 Jahren Kaninchen in artgerechter Außen- wie auch Innenhaltung. Seit einigen Jahren kläre ich aus vollster Überzeugung auch auf Social Media über die richtige und vor allem artgerechte Haltung von Kaninchen auf. Meiner Erfahrung nach steckt in den meisten Fällen von einer nicht artgerechten Haltung, ganz einfach Unwissenheit dahinter. Noch immer halten sich viele Gerüchte über die Kaninchenhaltung, die ganz einfach noch daraus resultieren, als die Haltung von Kaninchen zum bloßen Verzehr gedacht war. Heute werden die wenigsten Kaninchen noch als Nutztiere gehalten und sie bekommen immer mehr auch eine Stimme, denn auch ihnen (unabhängig ob Nutztier oder Haustier) steht ein schönes artgerechtes Leben zu.


Deshalb habe ich hier für euch die fünf wichtigsten Fakten über Kaninchen und deren Haltung:


1. Platzbedarf von Kaninchen

Leider hält sich immer noch tapfer das Bild von den tollen Doppelstockkäfigen, die man in jedem Tierfachgeschäft zu horrenden Preisen erwerben kann, diese sind unter keinerlei Umständen artgerecht und können nicht einmal ansatzweise, den Grundplatzbedarf eines Kaninchens decken. Mal von der schlechten Haltbarkeit bei entsprechender Witterung ganz abgesehen. Diese Käfige, können einzig

und alleine als Schutzhütte und Rückzugsort angeschafft werden, doch sollten niemals (auch nicht nur für nachts) eine dauerhafte Unterbringung sein.

Kaninchen benötigen pro Tier eine Grundfläche von 2-3m² Minimum um sich adäquat bewegen zu können. Diese Grundfläche bezieht sich auf eine Ebene und kann nicht über mehrere Ebenen angerechnet werden. Wichtig ist hier zu beachten, dass Kaninchen in der Natur dämmerungsaktiv sind und auch unsere Hauskaninchen meist diese Zeit bevorzugen, um sich aktiv zu bewegen. Daher sollte dieses Minimum 24/7 eingehalten werden.

Kaninchen, die für längere Zeit in viel zu kleinen Käfigen untergebracht sind, entwickeln mit der Zeit mehr oder weniger starke Verhaltensauffälligkeiten, wie bspw. Lethargie, Apathie aber auch zwanghaftes beknabbern der Gitterstäbe, stundenlanges Klopfen oder vermehrtes Buddeln auf dem Boden sind möglich. Daneben werden einige Tiere aggressiv und gehen aktiv auf ihre Halter:innen los. All das sind Verhaltensauffälligkeiten, welche sehr häufig dem akuten Platzmangel geschuldet sind.



2. Kaninchen sind Gruppentiere


Gerne werden Kaninchen als Spontankauf in Baumärkten oder Zoohandlungen angeschafft, leider viel zu oft als Einzeltier. Kaninchen sind hochsoziale Tiere, die in freier Wildbahn immer in Gruppe von bis zu 14 Tieren zusammenleben. Ein Kaninchen alleine zu halten ist in meinen Augen Tierquälerei, vor allem über längere Zeiträume. Mir ist natürlich bewusst, dass es bpsw. durch Krankheiten oder Kastrationsfristen nicht immer möglich ist ein Partnertier zu halten, aber dies sollte niemals ein Dauerzustand sein. Ganz wichtig ist auch, es gibt keine unverträglichen Kaninchen. Kaninchen sind leider etwas eigen, was die Vergesellschaftung mit Artgenossen betrifft, daher ist es wichtig sich zu informieren, wie eine Zusammenführung adäquat gestaltet werden kann, für weiterführende Links von Kaninchenwiese gerne auf den Button klicken.




Auch ist es natürlich so, dass sich nicht jedes Kaninchen mit jedem anderen Kaninchen versteht, wie bei uns Menschen dies ja auch der Fall ist, bei manchen Charakteren braucht es mehrere Versuche.

Kaninchen benötigen ihre Sozialpartner rund um die Uhr zum kuscheln, für die Fellpflege, zum Abenteuer erleben und um sich gegenseitig vor Gefahren warnen zu können. Der Mensch oder ein Tier einer

anderen Spezies kann einen Sozialpartner NIEMALS ersetzen. Auch hier ist es nicht unüblich, dass die Tiere in Einzelhaltung

massive Verhaltensaufälligkeiten wie bspw. eine vollkommen artferne massive Prägung

auf den Menschen entwickeln.


3. Kaninchen sind KEINE Kuscheltiere

Kaninchen sind via Definition Fluchttiere, in freier Wildbahn scheuen sie den Kontakt zu Menschen, doch auch unsere Hauskaninchen sind keine Kuscheltiere, auch wenn manche Züchtungen mittlerweile genauso aussehen.

Die meisten Kaninchen sind eher weniger an intensiven Schmuseeinheiten mit ihren Halter:innen interessiert, was natürlich nicht bedeutet, dass sie nicht zutraulich werden. Nach meiner Erfahrung werden nahezu alle Kaninchen mit viel Geduld zu mindestens Handzahm, sprich lassen sich Leckerlies aus der Hand füttern. Gerade bei Tierschutztieren ist es eigentlich mehr Glückssache, dass sie sich wirklich gerne streicheln lassen.

Doch selbst meine Handaufzuchten waren bis auf eine Häsin keine Schmuser, trotz einer intensiven Bindung in der Prägezeit.

Für nahezu alle Kaninchen ist das Hochnehmen mit großer Panik und Stress verbunden, instinktiv wird dies mit dem Beutegriff eines Greifvogels gleichgesetzt. Zum Nachteil der Kaninchen zeigen sie das nur selten mit Zappeln oder beißen sondern reagieren meist mit einer Schockstarre, die sich in einem angespannten oder vollkommen erschlafften Körper äußert. Häufig entsteht

so beim Menschen der Gedanke, die Kaninchen seien entspannt. Bitte nehmt eure Kaninchen nur hoch, wenn es wirklich notwendig (aus medizinischen Gründen bspw.) ist. Kleiner Reminder am Ende, Kaninchen sind damit keinesfalls für Kinder geeignet ohne dass die Eltern das Miteinander beaufsichtigen und sie gehören definitiv NIEMALS ins Kinderzimmer.



4. Die richtige Ernährung

Kaninchen brauchen Frischfutter! Trockenfutter ist anders als bspw. bei Hunden keine adäquate Ernährung, ganz egal welches und wie oft, es ist schädlich und das immer und auch in kleinen Mengen. Kaninchen können das ganze Jahr über mit Gemüse ernährt werden, hierzu füttert man wenig Wurzelgemüse und vor allem viel blättriges Gemüse wie Bittersalate und Kohl (ja Kaninchen dürfen Kohl fressen). Alternativ lässt sich viel Geld sparen, wenn die Kaninchen im Sommer mit frischer Wiese ernährt werden, hierbei geht es nicht um Gras sondern möglichst um eine Vielzahl verschiedenster Wiesenkräuter, weiterführend zum Thema Fütterung habe ich euch hier ebenfalls Kaninchenwiese verlinkt. Über die richtige Fütterung könnte ich sonst etliche Blogbeiträge füllen.






5. Kaninchen sind keine günstigen Haustiere

Leider sind Kaninchen nach wie vor in der Anschaffung sehr günstig, häufig bekommt man sie sogar für wenige Euro auf bestimmten Anzeigeportalen. In der Haltung sind Kaninchen meist aber dann recht schnell ein wirtschaftlicher Totalschaden. Meist ist schon die lebenswichtige jährliche Impfung teurer als der Kaufpreis. Auch der Bau eines artgerechten Geheges kann schnell in die hunderter oder tausender gehen.


Kaninchenmännchen müssen immer kastriert werden, Gemüsefütterung ist selbst im Winter teuer. Alleine die Fixkosten für 2-3 Kaninchen liegen monatlich bei über 100€. Dass Kaninchen zudem auch mit die anfälligsten Haustiere sind was schere Krankheiten betrifft, inkl. dessen, dass sie prinzipiell außerhalb der Öffnungszeiten von normalen Tierärzten krank werden ist in diesen Kosten bei weitem nicht eingerechnet. So ist es leider viel zu oft das Los der unüberlegt angeschafften Kaninchen im Krankheitsfall keine Behandlung zu bekommen, ausgesetzt zu werden oder ohne Behandlung qualvoll zu sterben. Man kann ja deutlich günstiger ein neues kaufen. Einige werden bei diesem Gedanken sicherlich

den Kopf schütteln, doch leider ist das Realität für sehr viele Kaninchen.


Abschließend kann ich nur sagen, Kaninchen sind wirklich tolle Tiere, aber definitiv nicht für einen spontan Kauf bestimmt. Überlegt euch zum Wohle der Tiere gut, ob ihr ihren Ansprüchen gerecht werden könnt und ihnen ein artgerechten Leben bieten könnt. Kaninchen können nicht für sich selbst sprechen, es ist unsere Aufgabe ihnen eine Stimme zu geben und uns für eine artgerechte Haltung einzusetzen.



Vielen Dank fürs Lesen, eure Lena

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